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18.05.2026

Gedenken an das „Sonderghetto“ Minsk: Ein dokumentarisches Videoprojekt

Michael Rosenberg, Sohn von Irmgard Posner (geb. Ditze), beim Interview mit Mila Klintsova im Dezember 2025

Im Herbst 2026 jähren sich die Deportationen von etwa 1.900 Jüdinnen und Juden aus Hamburg in das Ghetto Minsk zum 85. Mal. Mit den historischen Ereignissen und den Formen des heutigen Gedenkens in Belarus und Deutschland hat sich die belarussische Regisseurin Mila Klintsova intensiv auseinandergesetzt. Sie gibt nun im Rahmen einer Installation am „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ Einblicke in ihr dokumentarisches Videoprojekt.

Mila Klintsova produzierte bereits zahlreiche Dokumentarfilme, darunter „Sonderghetto“ (Youtube: ЗОНДЕРГЕТТО) von 2018. Der Film beleuchtete die Situation der deutschen Jüdinnen und Juden im Ghetto Minsk, wo sie im so genannten Sonderghetto isoliert von der lokalen jüdischen Bevölkerung leben musste. Eine Vielzahl der Deportierten wurde später in der nahegelegenen Vernichtungsstätte Malyj Trostenez von SS-Einheiten ermordet. Mit dem sechs Kurzfilme umfassenden, dokumentarischen neuen Videoprojekt schließt Mila Klintsova an dieses Thema an.

Dreharbeiten in Deutschland und Belarus

Für die Dreharbeiten in Deutschland besuchte Mila Klintsova Erinnerungsorte an den ehemaligen Ausgangspunkten der Deportationen in Hamburg, Berlin und Bremen. In Hamburg interviewte sie unter anderem Michael Rosenberg. Seine Mutter Irmgard Posner (geb. Ditze) wurde im November 1941 nach Minsk deportiert und dort ermordet. Im Gespräch schilderte Michael Rosenberg seine Erfahrungen als Kind im nationalsozialistischen Hamburg.

Die Aufnahmen in Minsk (Belarus) entstanden mit Unterstützung der Geschichtswerkstatt Minsk sowie des Museums für Geschichte und Kultur der Juden in Belarus. Gedreht wurde auf dem Gelände des ehemaligen Minsker Ghettos und der Vernichtungsstätte Malyj Trostenez. Für das Projekt wurden zudem der Historiker Dr. Aliaksandr Dalhouski  und der Museumsdirektor Alexander Neljubow interviewt. Ihre Beiträge verbinden die Geschichte der Deportationen mit Perspektiven auf die heutige Erinnerungskultur in Belarus und Deutschland.

Über das Projekt sagt Mila Klintsova: „Vor einem Jahr habe ich beschlossen, zu diesem Thema zurückzukehren. Ich hoffe, dass wir in diesem neuen gemeinsamen Projekt zeigen können, wo in Minsk das Leben einer erschütternd großen Zahl unschuldiger Menschen ausgelöscht wurde.“

Installation am Gedenkort „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“

Im Sommer 2026 werden die Arbeiten von Mila Klintsova im Rahmen der Installation „Wie lange werden wir sein?“ – Deportationen nach Minsk 1941 am Gedenkort „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ in der HafenCity präsentiert. Auf Bannern sind Fotografien von Erinnerungsorten in Minsk und Umgebung zu sehen. Über QR-Codes gelangen Besucher*innen zu Kurzfilmen, die die jeweiligen Orte sowie ihre historische Bedeutung im Zusammenhang mit den Deportationen und dem nationalsozialistischen Vernichtungsprozess erläutern.

Die Ausstellung ist vom 1. Juni bis 30. November 2026 in der „Fuge“ im Lohsepark kostenfrei zugänglich.

Begleitend sind verschiedene Veranstaltungen am Gedenkort geplant.

Das Projekt ist eine Kooperation des „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ und des Kulturförderprogramms „INTRO“ der Behörde für Kultur und Medien der Stadt Hamburg.

Mila Klintsova und Peter Christoffersen bei Dreharbeiten in Bremen, 2025
Gedenkzeichen an den ehemaligen Erschießungsstätten in Blagowschtschina bei Minsk.