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01.06.2026

„Ganz Hamburg ist voll von diesen Abtransporten“. Die Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus Hamburg im Juli 1942

Historisches Foto Fassade des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs
Portal des Hannoverschen Bahnhofs um 1941

Eine Werkstattausstellung des Teams denk.mal Hannoverscher Bahnhof in Kooperation mit dem Geschichtsort Stadthaus widmet sich den drei Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Hamburg im Juli 1942.

Vor 84 Jahren wurden am 11., 15. und 19. Juli etwa 2000 jüdische Hamburger*innen aus ihrem Leben gerissen und ins Vernichtungslager Auschwitz und ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Wenige Tage zuvor hatte die Gestapo ihnen den Deportationsbefehl per Einschreiben zugeschickt und sie in die zentral gelegenen Sammelstellen beordert. Dort mussten sie eine Nacht verbringen und wurden jeweils einen Tag später zum Deportationsbahnhof – dem Hannoverschen Bahnhof – mit Einsatzwagen der Polizei gebracht. Von dort wurden am 11. Juli 1942 etwa 300 Menschen aus Hamburg und 100 weitere aus Ostwestfalen nach Auschwitz deportiert. Am 15. und 19. Juli 1942 folgten zwei weitere Deportationen ins Ghetto Theresienstadt.

Was ist zu sehen?

Das Team „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ zeigt aus Anlass der Jahrestage der drei Deportationen die Werkstattausstellung mit Dokumenten, Fotos und Ausschnitten aus Interviews, in denen Nachkommen von Verfolgten dem Projektteam über ihr Wissen um die Deportationen berichteten. Zu sehen sind unter anderem originale Zeugnisse von Bertha Benecke, zur Verfügung gestellt von ihrer Urenkelin Christiane Benecke.

Die Ausstellung ist vom 10. Juni bis 31. Juli 2026 im Geschichtsort Stadthaus zu sehen. Der Besuch ist während der Öffnungszeiten möglich. Er ist kostenfrei.

Die Ergebnisse der Ausstellung sollen in das kommende Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof eingehen.

„Ganz Hamburg ist voll von diesen Abtransporten“

Das Zitat für den Titel der Werkstattausstellung ist einem Tagebucheintrag von Luise Solmitz entlehnt, die mit einem als Juden verfolgten Mann verheiratet war. Sie vermittelt damit, dass die kurz nacheinander stattfindenden Deportationen im Juli 1942 für die Hamburger Bevölkerung sichtbar waren. Es war die zweite konzentrierte Deportationsphase. Die erste hatte ein halbes Jahr zuvor von Ende Oktober bis Anfang Dezember 1941 stattgefunden.

Bitte besuchen Sie zu diesem Thema auch die Installation „Wie lange werden wir hier sein?“ – Deportationen nach Minsk 1941 am Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof. 

Die Ausstellung wird am 9. Juni 2026 um 19 Uhr im Geschichtsort Stadthaus eröffnet: Eröffnung

Am 7. Juli 2026 stellt die Autorin Anna Hájková die deutschsprachige Ausgabe ihres Buches Das letzte Ghetto. Eine Alltagsgeschichte von Theresienstadt vor: Veranstaltung

Bertha Benecke wurde ins Ghetto Theresienstadt deportiert, hier Foto von 1945
Max Mendel, Ida Wetterhahn (später Mendel) und Bertha Lobatz