“Guckst du jeden Abend zu den Sternen hinauf und denkst an mich. Das habe ich bis jetzt jeden Abend getan”

Henriette Arndt an E. Heilbut

Henriette Arndt an E. Heilbut Vorderseite

Henriette Arndt

arbeitete viele Jahre in Hamburg als Lehrerin. Nach der Machtübernahme der nationalsozialistischen Partei 1933 durfte sie als Jüdin ihren Beruf nicht mehr ausüben. Immer wieder musste sie ihren Arbeitsplatz wechseln. Zuletzt war sie an der ehemaligen Talmud-Tora Schule tätig. Henriette war Single. Ihre Lebenssituation in Hamburg wurde unter der zunehmenden Verfolgung immer schwieriger. Sie entschied sich für eine Emigration nach England. Hamburger Behörden lehnten diese jedoch ab.

Am 25. Oktober 1941 brachten Hamburger Polizeibeamte die 49-jährige Henriette Arndt zum Hannoverschen Bahnhof. Dort musste sie einen Zug in das Ghetto Litzmannstadt besteigen.

Mit Postkarten hielt sie von dort Kontakt mit ihrer Freundin Charlotte Beug. Einige Karten wurden jedoch nie abgeschickt und blieben in der Poststelle des Ghettos zurück. Grund waren sehr strenge Postbestimmungen. Die Freundinnen sahen sich nie wieder. Deutsche SS-Angehörige ermordeten Henriette Arndt im Mai 1942 im Vernichtungslager Kulmhof.

Henriette Arndt an E. Heilbut Rückseite

Transkription Postkarte

 

Absender:
Henriette Arndt
Litzmannstadt Ghetto
Mühlgasse 25 Zimmer 2

Frau E. Heilbut
Hamburg 21
Fährstr. 29

Meine liebe Lotti.

Herzlich danke ich Dir für Deinen lieben Brief vom 30.11. Ich bin sehr traurig, daß Du krank bist, und ich bitte Dich sehr, Dich tüchtig zu pflegen. Denke an unser gegenseitiges Versprechen beim Abschied. Guckst Du jeden Abend zu den Sternen hinauf und denkst an mich. Das habe ich bis jetzt jeden Abend getan gegen neun Uhr. Ich bin in Gedanken immer bei Dir und das bleibt. Du besorgst Dir doch einen Adventskranz und zündest ihn mit guten Freunden an. Männe schreibt, er müßte uns viel abbitten. Sie schickten mir heute 30 RM. Eine Beschäftigung habe ich noch nicht. 

Ich gebe jungen Mädchen, Abiturientinnen, ein paar deutsche Stunden. Das bringt nicht viel ein. Sie können nur wenig bezahlen. Sprich doch mit Herrn Dr. Bacher wegen meiner Pension, auch wegen meines Kontos. Laß Dir, bitte, wenn Du gesund bist, ein Zeugnis von Herrn Dr. Jonas für mich geben. -

Dich küsst Henny
 

Weitere Recherchemöglichkeiten: 

TikTok Video über die Postkarte: Die letzte Postkarte von Henriette Arndt 
Vimeo Video über die Postkarte: Die letzte Postkarte von Henriette Arndt
Stolperstein-Initiative: https://www.stolpersteine-hamburg.de
Weiteres Recherchetool: https://collections.arolsen-archives.org/

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