"Ich lese täglich aus deinen Büchern. Es ist das einzige Andenken, daß ich von Dir habe."

Hilde Beer an Rolf Ascher

Hilde Beer an Rolf Ascher Vorderseite

Diese Postkarte von Hilde Beer

aus dem Ghetto Litzmannstadt ist eines der wenigen Lebenszeichen, die von ihr erhalten sind. Die Karte war für einen Freund in Hamburg bestimmt. Diese wurde jedoch nie aus dem Ghetto abgeschickt und erst im Jahr 2019 in einem Archiv in Łódź entdeckt.

Die Identität von Hilde Beer ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Im Jahr 1941 wurde eine Familie Beer vom Hannoverschen Bahnhof in Hamburg nach Litzmannstadt deportiert. Verantwortlich dafür waren unter anderem Hamburger Polizeibeamte.

Hilde Beer war mit dieser Familie im gleichen Haus im Ghetto untergebracht. Darauf deutet die angegebene Adresse auf der Postkarte hin. Ob sie zu dieser Familie aus Hamburg gehörte, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Auch ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Fest steht, dass sie enge Verbindungen nach Hamburg hatte. Die Postkarte war an Rolf Ascher adressiert. Er wurde wenige Wochen nach der Familie Beer aus Hamburg in das Ghetto Minsk verschleppt und später dort ermordet. Er wurde 19 Jahre alt. 

Hilde Beer an Rolf Ascher Rückseite

Transkription Postkarte:

 

Absender:
Hilde Beer
Litzmannstadt-Getto
Hausiererstr. 1, Wohnung 1a

Herrn Rolf Ascher
Hamburg
Bei der Friedenseiche 1 III

Lieber Rolf!

Jetzt erst komme ich dazu Dir einige Zeilen zu schreiben. Mir geht es gesundheitlich Gott sei Dank gut, was ich von Dir auch hoffe. Was machen Deine Eltern? Arbeitest du noch immer dort. Ich hoffe, daß Du diese Karte bald erhalten wirst. Hast Du den Film schon entwickeln lassen? Sei bitte so gut und schicke mir umgehend die Bilder, da ich keine Photographie weder von Dir noch von mir habe. Hast Du Gertrud ein Bild von mir gegeben? Ich lese täglich in Deinen Büchern. Es ist das einzige Andenken, daß ich von dir habe. Es ist hier schon ziemlich kalt. Warst du schon einmal bei Sophie? Moritz kannst du auch einmal schreiben. Die Adresse ist: 

Moritz Beer
Judenarbeitslager 13, Posen
an den Bleichen [...]
Eichwaldstr. 

In der Hoffnung, bald etwas von Dir hören, verbleibe ich mit den besten Grüßen

Deine Hilde 

Grüße bitte Deine Eltern von mir.
Vielen Dank für die Hose ich trage sie täglich und sie ist schön warm.
Meine Eltern u. Geschwister grüßen ebenfalls.
Tante Anne besuche ich öfters.

Litzmannstadt d. 5/12 41.

*Zu Gunsten der Lesbarkeit wurde in der Transkription Anpassungen vorgenommen.
 

Weitere Recherchemöglichkeiten:

Johannes Grossmann von der Stolpersteininitiative Hamburg spricht über diese Postkarte: Video
TikTok Video über diese Karte: Video
Recherchetool: https://collections.arolsen-archives.org/

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